Oktober 2015
ARCHIV

2
10

Telefoninterviewer sind als Arbeitnehmer anzusehen

In einem Lohnsteuerhaftungsverfahren hatten das FA und FG die als „freie Mitarbeiter“ beschäftigen Telefoninterviewer eines Markt- und Meinungsforschungsunternehmens steuerrechtlich als Arbeitnehmer qualifiziert. Der BFH hat die Entscheidung des FG mit Urteil vom 18.06.2015 aufgehoben und die Sache zurückverwiesen, weil die Sachverhaltsfeststellung unvollständig war bzw. nicht zutreffend gewürdigt worden ist. Die Frage, ob eine Tätigkeit selbstständig oder nichtselbstständig ausgeübt wird, ist anhand einer Vielzahl in Betracht kommender Merkmale nach dem Gesamtbild der Verhältnisse zu beurteilen. In diese Gesamtwürdigung ist auch einzubeziehen, wie das der Beschäftigung zugrundeliegende Vertragsverhältnis ausgestaltet worden ist, sofern die Vereinbarungen ernsthaft gewollt und tatsächlich durchgeführt worden sind. Diese Gesamtwürdigung ist als eine im Wesentlichen auf tatrichterlichem Gebiet liegende Beurteilung revisionsrechtlich nur begrenzt überprüfbar. Allerdings ist die Gesamtwürdigung materiell-rechtlich fehlerhaft, wenn die Tatsacheninstanz die maßgeblichen Umstände nicht vollständig oder ihrer Bedeutung entsprechend in ihre Überzeugungsbildung einbezieht. Der Urteilsfall zeigt noch einmal eindringlich, wie wichtig es ist, im Klageverfahren darauf zu achten, dass dem Gericht alle Tatsachen vorgetragen werden, die die Beurteilung einer Tätigkeit und die Zuordnung zu einer Einkommensart nach dem Gesamtbild der Verhältnisse ermöglichen. 

LOHNSTEUER

Steuern