November 2015
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Rückstellung für die Verpflichtungen zur Nachbetreuung von Versicherungsverträgen

Nach dem BFH-Urteil vom 09.06.2015 setzt die Bildung einer Rückstellung wegen Erfüllungsrückstands für die Verpflichtung zur Nachbetreuung von Versicherungsverträgen voraus, dass der Versicherungsvertreter gesetzlich oder vertraglich zur Nachbetreuung der von ihm vermittelten Lebensversicherungsverträge verpflichtet ist. Eine gesetzliche Verpflichtung zur Kundenbetreuung für einen Versicherungsvertreter nach § 86 i.V. mit § 92 HGB besteht nicht. Auch aus § 34d GewO ergibt sich keine derartige Verpflichtung. Die Vorschrift regelt lediglich eine berufsrechtliche Erlaubnispflicht und keine nachlaufende Betreuungspflicht. Ein Versicherungsvertreter kann eine Rückstellung für einen Erfüllungsrückstand hinsichtlich des vom Vorgänger übernommenen Versicherungsbestandes nur dann bilden, wenn die rechtliche Verpflichtung zur Pflege dieses Bestands auf ihn übergegangen und wirtschaftlich noch nicht vollständig erfüllt worden ist. Zwar ist nach § 133 BGB bei der Auslegung einer Willenserklärung der wirkliche Wille zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinn des Ausdrucks zu haften. An die Auslegung von Willenserklärungen durch die Vertragsparteien sind aber weder Gerichte noch Finanzbehörden gebunden. 

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